CHINA Reise 2018 - Bericht von Simona

Von der Spannung und Vorfreude des Infoabends geprägt, hat sich unsere 15-köpfige Reisegruppe am Samstag 3. Februar am Flughafen Zürich getroffen. Während einige sich auf die Ruhe des langen Nachtfluges freuten, hatten andere (ich inklusive) mit dem Gedanken über 9 Stunden an einen Sitz gefesselt zu sein, eher zu kämpfen. Die Angst vor schnarchenden Sitznachbaren, schreienden Kleinkindern oder Langeweile wegen des schlechten Boardentertainments bereiteten mir schon seit Tagen schlaflose Nächte. Wie so üblich, erwiesen sich diese aber mehr als nur unbegründet. Wir durften einen ruhigen, kaum turbulenten Flug mit Klasse Boardentertainment geniessen und Sonntagmittag einigermassen ausgeruht am Pekinger Flughafen ankommen. Um dem Jetlag entgegenzuwirken hat Reiseleiter Sami schon gleich nach der Ankunft das erste Sightseeing vorgesehen. Aufgrund der eisigen Kälte, die uns draussen erwartete, galt es deshalb einen blitzschnellen Kostümwechsel hinzulegen. Kaum waren Thermokleidung und die 3 Jacken angezogen, warteten auch schon unser Guide, der sich mit einem strahlenden «Hello everybody!» als William vorstellte, und unser Fahrer auf uns. Rein in den Bus und auf ins Abenteuer!

Den ersten Sightseeing Stopp unserer Reise legten wir am Tiananmen Square ein, welches auch als Tor des himmlischen Friedens bekannt ist und den Eingang zur Verbotenen Stadt bildet. Doch dass uns hinter dem riesigen Portrait von Mao Tse-tung nicht nur prachtvolle Architektur und Kunst erwartete, konnte niemand ahnen. Relativ schnell wurde uns klar, dass wir weit und breit die einzige europäische Reisegruppe waren. Dieses kleine aber feine Detail blieb auch den chinesischen Touristen nicht lange verborgen. Schwupps und schon wurden die ersten Mitglieder unserer Gruppe für Erinnerungsfotos entführt. Ehe man sich versah, waren wir alle auf verschiedene Touristengruppen verteilt und sind nun auf mindestens einem chinesischen Familienfoto abgebildet. Die Begeisterung der Chinesen für unsere Gruppe war nicht zu übersehen. Für einen kurzen Moment dachten wir sogar den Flieger in die falsche Richtung erwischt zu haben: Red carpet Hollywood here we come! Doch nach unzähligen weiteren Schnappschüssen, mussten wir uns schweren Herzens von unseren Fans verabschieden und unsere Tour fortsetzen: Denn der kleine, flinke William und seine Rote Touri-Fahne, welche in den Massen unser einziger Anhaltspunkt war, waren schon fast ausser Sicht!

Zügig führte uns William zu den schönsten Plätzen der Verbotenen Stadt und bereicherte unseren Besuch mit interessanten und teilweise lustigen Anekdoten dazu. Nachdem wir die Stadt durch den Hintereingang wieder verlassen haben, haben wir uns auf den Weg in den angrenzenden Jingshan Park gemacht. Neben einer wunderbaren Flora konnten wir von der obersten Pagode aus einen spektakulären Blick auf ganz Peking werfen.

Das Highlight unseres ersten Tages war aber definitiv dem Abend gewidmet. Im bekannten Peking Duck Banquet sind wir in den Genuss von Ente nach Peking Art gekommen. Mit drei kleinen Servierwagen wurden unsere knusprigen Entlein aus der Küche in den Saal geschoben und von den drei Köchen mit wenigen geschulten Handgriffen tranchiert. Trotz einiger Unfälle, die auf das uns noch fremde Besteck zurückzuführen waren, haben wir es geschafft uns die Bäuche dennoch vollzuschlagen. Mit vollem Bauch und aber fast leeren Batterien, machten wir uns auf zur langersehnten Kung Fu-Show. Dort haben uns die Künstler mit spektakulären Einlagen die Geschichte des Kung Fus nähergebracht und neu gelehrt, was unser Körper alles aushalten kann (wenn man es nur fest genug will). Wusstet ihr beispielsweise, dass man sich vier massive Eisenstangen gleichzeitig an den Kopf brettern kann, ohne dass man sich verletzt? Oder dass man sich auf ein Nagelbrett drücken lassen kann, ohne aufgespiesst zu werden? (Bitte zu Hause nicht nachmachen…).

Pünktlich um 08:00 Uhr des nächsten Tages erwartete uns William mit gewohntem Strahlen vor dem Hotel. Nach einem Besuch in der Sommerresidenz der ehemaligen Kaiser -dem wunderschönen Sommerpalast – die durch ihre wunderbaren Gärten und dem gefrorenen See als idealen Vergnügungstreffpunkt für die Locals fungierte, machten wir uns auf den Weg zur chinesischen Mauer. Noch ziemlich müde von der Reise, hat sich die rund einstündige Fahrt in ein Massenschlafen verwandelt. Ca. 100 m vor dem Ziel wurden wir von einem «Everybody wake uuuuuup!» von William regelrecht aus dem Schlaf gerissen. Noch etwas desorientiert von der unsanften Weckart aber voller Vorfreude, haben wir uns mit einer Schweizer Gondelbahn auf den höchsten Punkt der Mauer fahren lassen. Oben angekommen bot sich uns, trotz klirrender Kälte und Wind, ein unglaubliches Bild der Chinesischen Mauer und ihrer Endlosigkeit, die sich elegant durch das Gebirge schlängelte. Der Perfekte Platz an dem Sami seine extra für die Reise erworbene Drohne vorführen konnte. Denn nachdem sich der Wind, der den Einsatz der Drohne verunmöglichte, endlich gelegt hatte, flitzte Sami seine Drohne quer über die Landschaft in alle Himmelsrichtungen. Da taucht auch schon der erste Wachmann mitsamt Stock auf. Mit brummigem aber bestimmten Ton hat er Sami zu verstehen gegeben, dass Drohnen hier nicht erwünscht sind! Houston, we have a problem…

Der dritte Tag unserer Reise führte uns zu den berühmten Ming-Gräbern und dem dazugehörigen Weg der Seelen. Während des Besuches dieser riesigen Anlage, wurde ein Teil unserer Gruppe (ich inklusive) versehentlich zurückgelassen, als wir eine zusammengekauerte Katze bestaunten. Fairerweise muss gesagt werden, dass einige (ich inklusive) eher darüber gerätselt haben, ob diese überhaupt noch lebt. Nachdem die Katze sich kurzerhand dazu entschloss vor uns Eindringlingen zu flüchten, beschlossen auch wir unsere Tour fortzusetzen, diesmal auf eigene Faust! Was kann da schon schiefgehen? Unsere Neugier führte uns zu einem Tor, welches mitten auf dem Platz vor der Grabstätte platziert wurde. Nach einigen flüchtigen Blicken, beschloss ein mutiges Gruppenmitglied durch das Tor zu gehen. In letzter Sekunde wurde sie von unserem Guide mit einem «Stooppppppp!!!» aufgehalten. Durch das Tor zu gehen bringe Unglück, hat uns William belehrt. Grund dafür: Durch dieses Tor wird man nur getragen... und zwar dann, wenn man den Löffel bereits abgegeben hat.

An unserem letzten Tag in Peking, hat William uns in den Himmelstempel geführt. Erneut wurden wir mit prachtvollen Bauwerken, strahlenden Farben und einer guten Portion dazugehöriger Geschichte überrascht. Das Ende der Besichtigung führte uns zu einer Teeverkostung. Die wunderbar verzierten Teesets und der in der Luft liegende Geruch von frisch gebrühtem Tee, haben unsere Teeherzen höherschlagen lassen. Nachdem wir an einen langen Tisch geführt und uns die «Spielregeln» erläutert wurden, ging es dann endlich los. Nacheinander durften wir 3 wunderbare Teesorten verkosten: Kurz riechen und dann in drei grossen Schlücken trinken. Die Magie aber geschah beim 4. und letzten Tee, den wir probieren durften. Der in China offiziell als Pu’er Tee bekannte und vor allem zu medizinischen Zwecken eingesetzte Tee, hat bei einigen von uns für anfängliches Nasenrümpfen gesorgt. Der Geruch war ungewohnt und doch nicht ganz unbekannt. Es war schliesslich Hendi, die dem Tee aufgrund seines Stallgestanks seinen wohlverdienten Namen «Kameltee» verliehen hat. An dieser Stelle kann man sich nur noch fragen: Wer kauft schon Tee, der nach Kamelbrühe riecht? Wir natürlich!

Bevor wir uns zum Flughafen begaben, machten wir noch einen Stopp an der Wuangfujing-Strasse. Wuangfujing ist Teil eines kleinen Strassenviertels in Peking. In einer Ecke der vollgestopften Einkaufsstrasse steht ein kleines Tor, durch welches man in eine völlig andere Welt eintaucht. Links und rechts verschlingen hungrige Chinesen lokales Streetfood. Was von weitem aussah wie feine Rinds- und Pouletspiessli, waren in Wahrheit aufgespiesste und frittierte Maden, Kakerlaken und Skorpione! Neugierig näherten wir uns einem Stand, dessen Koch etwas auf Chinesisch rumschrie während er Sami einen solchen Skorpionspiess in die Hand drückte. Trotz eindringlichen Warnungen, liessen sich Sami und zwei weitere tapfere Krieger nicht davon abbringen, sich den Spiess zu teilen. Wie es sich für Touristen gehört, haben wir dies auch auf Video festgehalten… Ha! Während Sami sich erst noch davon überzeugen musste, dass er nicht an den Stacheln sterben würde, verschlangen unsere weiblichen Testesserinnen den Skorpion mit einem Bissen. Nach Angaben der Versuchskaninchen schmecken frittierte Skorpione wie Pommes Chips… Falls jemand aus dem Management der Zweifel Chips mitliest... Wir wären daran interessiert diese Stachelchips bald auch in der Migros in den Regalen zu sehen!

Noch am selben Abend landeten wir nach einem relativ ruhigen und kurzen Flug in Shanghai. In der Ankunftshalle erwarteten uns zwei Studierende der Shanghai University of Sports (ausgerüstet mit einem coolen Zettel mit unserem Wu-Academy Logo drauf!) und führten uns zu unserem Car. Noch bevor wir unsere Koffer in den Reisecar laden konnten, bemerkte Sami, dass sein Portemonnaie im Flieger zurückgeblieben ist. An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass nicht Sami schuld daran ist… Das Portemonnaie hat das «Entboarden» aus dem Flieger verschlafen! Nach einem feinen aber kurzen Abendessen hiess es für uns alle früh ins Bett. Denn am nächsten Tag galt es das eigene (Un)Können bei den neuen Trainern unter Beweis zu stellen!

Aufgeregt wie vor dem ersten Probetraining, begaben wir uns nach dem Frühstück gemeinsam zu den Trainingshallen. Als erstes durfte unser Sanda-Team auf den eigenen Trainer treffen. Enttäuschung machte sich breit, als Ji Qiang in Trainerhosen und Trainerjacke anstatt Boxhosen und Sixpack vor uns stand. Zeit um die Enttäuschung zu verarbeiten blieb uns aber keine. Denn trotz Sprachbarriere schnellte die Trainingsintensität (etwa so schnell wie ein Ferrari von 0 auf 100, also in weniger als 3 Sekunden) auf 300%. Nach zwei Stunden vollgepackt mit Wurfübungen, Schlagkombis und intensivem Konditraining lagen wir alle, den eisigen Temperaturen in der Halle trotzend, ohne Jacken und Pullis regungslos auf den Matten. Glücklich die erste Einheit überhaupt überlebt zu haben, begaben wir uns zu einem gemeinsamen Mittagessen mit den (komischerweise nicht so geräderten) Taoluanern. Kaum verdaut, hiess es auch schon auf zu Round 2 für den Tag, die viel eher den Namen einer Knock-out Runde verdient hatte.

Müde und verkatert (Nein, nicht vom Alkohol!), beschlossen wir dennoch das Abendessen irgendwo im Zentrum von Shanghai zu geniessen. Unser Reiseleiter hatte bei der Restaurantauswahl auf die Unterstützung eines guten Freundes, den er uns als kulturbegeisterten Nomaden vorgestellt hatte (Hoi Mauro!) und für einige Jahre in Shanghai gelebt hat. Traditionsgemäss durfte einer am Tisch energisch «Fúwùyuán!» (ausgesprochen «Fuuiän», Kellnerin) durch das ganze Restaurant schreien. Kaum war sie da staunten wir nicht schlecht, als Mauro die riesige Bestellung ratzfatz in fliessendem Chinesisch runterratterte, die Fuuiän davon dackelte und auch tatsächlich alles richtig am Tisch ankam. Noch nicht müde genug, um dem noch jungen Abend ausklingen zu lassen, brachte uns Mauro in eine Sportsbar, die ihrem Namen alle ehre macht! Zwei Squashhallen, zwei Baseball Pitching-Hallen, ein Fussballfeld mit Kunstrasen (yes!!) sowie unzählige Billiard- und Töggelitischen zierten die Bar. Es vergingen keine 20 Minuten und wir begaben uns zu einem erbitterten Duell auf den Fussballplatz. Ohne Pause rannten wir für fast eine Stunde auf dem Platz hin und her, schossen Tore, erlitten Fouls und blieben immer wieder lachend auf dem Rasen liegen. Als wir den Platz nach etlichen Verwarnungen schliesslich räumen mussten, liessen wir uns mit schmerzverzerrten Gesichtern auf die Barhocker sinken. Der einzige Trost, dass am nächsten Tag sicher kein Training stattfinden würde.

Pünktlich 08:00 Uhr des nächsten Tages, freuten wir uns darauf, unseren neuen Guide kennenzulernen und uns mit ihr auf eine Erkundungstour durch Shanghai zu begeben. Noch bevor die Dame, welche sich als «Bessy» vorstellte, das Tagesprogramm mit uns durchgegangen war, erklang es aus einer Ecke des Busses: «Dä William isch vill cooler gsi!!». Aus dem anfangs lustigen Kommentar wurde bald purer Ernst. Der Guide entpuppte sich nämlich als äusserst genervt, unmotiviert und gelangweilt. Reiseleiter Sami war not amused. Doch wir liessen uns von ihrer Laune nicht den Tag verderben. Nach einem Besuch in der Einkaufsstrasse von Shanghai – der Nanjing Road, flitzten wir mit dem Lift innert kürzester Zeit auf den höchsten Aussichtspunkt – dem Shanghai Tower! Während einige die Aussicht genossen, deckten sich andere mit vielen tollen Souvenirs im Towershop ein. Am Nachmittag setzte uns der Bus vor dem Eingang eines kleinen Stadtviertels ab. Das Tianzifang ist ein mit vielen kleinen Boutiquen, Bars und Restaurants und Leuten vollgepacktes Viertel. Zielstrebig führte uns Sami zu seinem altbekannten Teehaus. Mit strahlendem Lachen empfing uns der Inhaber, der uns gleich in das obere Stockwerk führte und mit einer wundervollen Teezeremonie überraschte. Nachdem wir den Laden um viele Teesets, Tassen und Teesorten erleichtert hatten, splittete sich die grosse in viele kleine Gruppen, die neugierig in die kleinen Gassen verschwanden um vor dem Zirkusevent des Abends noch etwas Kleines zu essen. Unsere Gruppe blieb vor einem kleinen Essensstand stehen, der frittierte Froschschenkel anbot. Wie es sich gehört, wurde auch diese Verkostung auf Video festgehalten. Nach nur knapp zwei Bissen waren sich unsere Testesser Dominik und Igor ganz sicher: «Es isch es Huehn, ohni Witz!».

Im Zirkus angekommen, warteten wir gespannt, dass die Manege endlich zum Leben erwachte. Sami hatte uns im Vorfeld nämlich schon etliche Male enthusiastisch von den super Kunststücken erzählt die uns erwarten würden! Und tatsächlich wurden wir von auf Fahrrädern herumspringenden Akrobatinnen, Balancekünstler und auf einem Todesrad herumtollenden Künstlern überrascht. Gefühlt alle 10 Sekunden sagte einer von uns «Uah das bringt er sicher nöd here...» oder «Nei das chamer nüme toppe!». Und oh doch, das konnten sie! Dass sie aber nicht mehr alle Tassen im Schrank hatten, bewiesen sie mit dem allerletzten Act der Show: In einer Metallkugel fuhren gleichzeitig 8 Motorräder in unglaublichen Geschwindigkeiten hin und her und haben sich jeweils nur um Haaresbreite verpasst. Das Timing war perfekt – der Act ebenfalls! Eine Show, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Am nächsten Tag erwartete uns erneut ein mit 2 intensiven Trainingseinheiten vollgepackter Tag. Für unser Sanda Team stand Kickboxen auf dem Programm! Während es uns bei den ersten Kickversuchen am Anfang des Trainings noch regelmässig aus der Balance gehauen hat, sahen unsere Kicks am Ende des Tages schon relativ professionell aus! «Muscle, muscle», wiederholte Ji Qiang lachend, als wir ihn mit schmerzverzerrten Gesichter anschauten, während wir mit ausgestrecktem Bein über eine Minute lang in Kickposition verharren mussten. Und ja, dass uns diese Muskeln fehlten, haben wir noch Tage später gemerkt. Richtig stolz war unser Trainer aber, als wir die Kicks in einer Partnerübung erfolgreich in einer Schlagkombi umsetzten. Trotz steigender Intensität und damit einhergehenden Müdigkeit, begann das Training immer mehr Spass zu machen. Für das Mittagessen beschlossen auf die hauseigene Mensa zu setzen. Mit dem Finger durften wir auf alle Speisen zeigen, auf die wir Lust hatten. Unsere Tabletts waren überfüllt mit vielen kleinen Tellern. Das Essen war echt lecker und kostengünstig (Schweizer Mensen: Nehmt euch ein Beispiel!). Doch trotz dem guten asiatischen Mensaessen, zog es uns am Abend für einen guten Burger in die Stadt. Next Stop: Hard Rock Café Shanghai. Ungewohnt wieder auf Gabel und Messer zu treffen, entschied sich jeder am Tisch für einen anderen guten Cocktail und Burger. Das Essen war gut… aber eben nicht SO gut wie wir es nun seit über einer Woche gewohnt waren.

Am nächsten Morgen ging Sami früh morgens mit der Taolu Gruppe in einen etwas weiter entfernten Wushu-Laden. Wir von der Sanda Gruppe haben die Gelegenheit genutzt um etwas Schlaf nachzuholen und danach gemeinsam im Blue Jamaica an der Nanjing Road fein zu brunchen. Am Nachmittag hiess es dann auf zur vorletzten Trainingseinheit. Erneut gaben wir unser Bestes und kämpften uns durch verschiedenste Schlag- und Kickkombinationen. Trainer Ji Qiang schien nun so begeistert von unserer Leistung, dass er am Ende des Trainings eine kurze Rückenmassage für uns bereithielt. Was für uns recht entspannend war, war für Jym mit etwas mehr «Schmerz» verbunden. Er durfte sich auf den Boden legen und Ji Qiang spazierte ihm gemütlich auf dem Rücken hin und her.

An unserem letzten Sightseeing-Tag in Shanghai, wurden wir von einem neuen Guide begrüsst, welche sich als Lorraine vorstellte. Mit ihrer witzigen Geschichte, wie sie zu ihrem englischen Namen kam, hat sie unsere Herzen im Sturm erobert. Nur so viel dazu: Anscheinend können sich die Chinesen ihren englischen Namen in den ersten Englischstunden selber aussuchen, sollten aber darauf achten, dass die Aussprache etwa mit derjenigen des chinesischen Namens übereinstimmt. Easy dachte sie sich und entschied sich kurzerhand für Chicken oder Kitchen! Amüsiert entschied sich der Lehrer in diesem Hoffnungslosen Fall selber einen Namen zu vergeben und entschied sich bei ihr für Lorraine. Die Böse-Bessy war im Nu vergessen und Lorraine bekam von uns den Spitznamen Wilma, weil sie uns mit ihrem Lachen und ihrem Humor so fest an unseren lieben William erinnerte.

Gemeinsam mit ihr erkundeten wir am Morgen den Yu Garten sowie die historische Altstadt von Shanghai. Im Yu Garten erwartete uns eine wunderschöne und gepflegte Anlage mit wunderschönen alten Gebäuden und viel dazugehöriger Geschichte. Bei so vielen Eindrücken und eingeschaltetem Touri-Modus kann es leicht passieren, dass man in ein Fettnäpfchen trifft. Da ich von Natur aus nicht mit Grösse gesegnet wurde, mir deshalb aber fotografisch trotzdem nichts entgehen lassen wollte, versuchte ich die fehlenden Centimeter auf der erhöhten Türschwelle des einen Gebäudes wiedergutzumachen. Lorraine sah mich etwas irritiert an und erklärte mir mit bestimmten Ton, dass man nicht auf Türschwellen stehen soll! Schliesslich sind diese damit beschäftigt das Haus von bösen Geistern fernzuhalten (Ups!).

Am Nachmittag fuhren wir dann weiter zum Wasserdorf Zhujiajiao, welches wir nach einer ca. einstündigen (Pfuus-)Busfahrt erreichten. Dort angekommen empfing uns ein wunderhübsches Dorf, welches entlang einem langen Kanals erbaut wurde. Auf einem gondelartigen Gefährt durften wir eine fünfzehnminütige Wasserfahrt quer durch die ganze Stadt geniessen. In den engen Gassen fanden wir von gutem Essen über Süssigkeiten und handgemachten Souvenirs alles, was das Herz begehrt. Ein von aussen recht unscheinbares Café, entpuppte sich als wahre Perle. Auf der hinteren Terrasse gönnten wir uns, begleitet von der wunderbaren Pianomusik der Inhaberin, einen wohltuenden Oolong Tee.

Für den Abend hatte Reiseleiter Sami geplant uns in ein Restaurant auszuführen, welches fortan unsere «Stammbeiz» in Shanghai werden sollte. Sein Lieblingsrestaurant befand sich in einer Mall an der Nanjing Road. Zur Feier des Tages überliess Sami einigen von uns die ehrenvolle Aufgabe das Abendessen zu bestellen. Da unsere Versuche auf Englisch zu kommunizieren kläglich scheiterten, entschloss sich Dominik kurzerhand das Zepter zu übernehmen und die Bestellung auf Schweizerdeutsch auszuführen. Diese Aktion stiess auf schallendes Gelächter unsererseits, klappte zu unserer Überraschung aber bestens. Wir bekamen alle unsere bestellten Speisen! Das absolute Highlight unserer Reise kam aber mit dem Nachtisch: Das TOASTBROT! Stellt euch ein halbes Toastbrot vor, dessen Innenleben gewürfelt, mit geschmolzener Butter und Honig beschmiert, von aussen im Ofen kurz angetoastet und mit einer Kugel Vanilleglace on Top serviert wird... Es war Liebe auf den ersten Stäbchengriff - Oh Toastbrot du süsse Versuchung! Long Story short: Wir haben an einem Abend (als Dessert) ganze 6 Stück (!) verdrückt.

Für den nächsten Tag stand wieder ausschlafen auf dem Programm. Schliesslich mussten wir unseren Körpern auch die Möglichkeit geben vor dem letzten Training die ganzen Toasts zu verdauen. Am Nachmittag dann traten wir zum letzten Mal zu unseren Trainings an. Ji Qiang entschloss sich uns die volle China-Experience zu geben und bewaffnete sich mit einem breiten Grinsen und einem Schaumstoffschläger. Waren wir nicht schnell genug? «Bäm!» Unsere Schläge oder Kicks nicht zu seiner Zufriedenheit ausgeführt? «Bäm!». Der Müdigkeit wegen, waren es nicht wenige Schläge, die wir während des Trainings abbekommen haben. Aber keine Panik: No animals… I mean people were harmed in the making of this film. Trotzdem kam es uns so vor, als dass die letzte Trainingseinheit viel zu schnell vorbei war. Voller Wehmut schnappten wir uns unseren Trainer und entführten ihn in die nahegelegene Wushu-Halle, wo unsere Taolu Teamkollegen auf uns warteten um uns ihre Form in ihren neuerworbenen Wettkampf Kleidern vorzuführen. Ihre Vorführung erhielt einen riesigen Applaus unsererseits! Zur Verabschiedung überreichten wir den beiden Trainern viel Schweizer Schoggi und knipsten unzählige Erinnerungsfotos in allen erdenklichen Gruppenkonstellationen.

Am nächsten Tag stand die Weiterreise nach Guilin auf dem Plan. Das Motto war raus aus der Grossstadt und rein ins authentisch ländliche Chinaleben! Nach einem dreistündigen Flug landeten wir auf einem kleinen Flughafen und wurden von unserem letzten Guide auf der Reise -  Catherine – begrüsst, die uns mit unserem gesamten Gepäck auch gleich in einen kleinen Bus lud.

Die Begeisterung über das anstehende Sightseeing hielt sich, des Hungers wegen, stark in Grenzen. Wer nun denkt, dass wir auf einem Mittagsflug zu Essen bekommen haben sollten, liegt richtig. Nachdem sich ein relativ penetranter Geruch in der ganzen Flugzeugkabine breitgemacht hatte, wurde unser «Essen» uns auch schon auf das kleine Klapptischchen geklatscht. Beim Entfernen des Deckels wurden wir dann von einem sehr unappetitlichen Geruch überwältigt. Ausser dem Reis konnten wir ausserdem nicht wirklich identifizieren, was die fetzen in der Sauce hätten darstellen sollen. Mit grosser Enttäuschung, wurden die Boxen wieder verschlossen. Da Reiseleiter Sami sich natürlich stets um unser Wohl sorgte, bat er Catherine darum uns trotz der bereits verstrichenen Mittagszeit irgendwo mit Essen zu versorgen. Unser Guide überlegte kurz, instruierte den Fahrer danach aber rasch in eine bestimmte Richtung zu fahren. Mitten auf der Strasse hielt der Fahrer an – Catherine stieg aus und rief uns über ihre Schulter zu, dass sie kurz sicherstellen möchte, dass das «Restaurant» geöffnet hat. Beim Wort «Restaurant» läuteten unsere Hungerglocken sturm und unsere Gesichter klebten allesamt an den Fensterscheiben. Zu unserer Überraschung standen wir vor einem Garagenähnlichen Gebäude – Aber solange es zu essen gibt, würden wir uns vom einen oder anderen Autoersatzteil sicher nicht stören lassen. Von weitem winkt uns Catherine zu und wir stürmen das Gebäude, vorbei an den getrockneten Enten und rein in die gute Stube. Wir fanden uns in einer ziemlichen Bruchbude wieder, ein alter Chinese hütete die Kasse, zwei eingesessene alte Frauchen machten die Küche unsicher. Jeder löste ein Ticket, begab sich zum Ausgabefenster und kriegte ein Hundenapfähnliches Schüsselchen mit Reisnudeln und Fleisch vorgelegt. Toppings drauf und Stäbchen rein, bevor wir uns das noch anders überlegten. WOW! Das war die wohl die kulinarische Überraschung überhaupt – die Nudeln schmeckten SUPER! Wir schwärmten noch den Rest der Reise darüber… Gestärkt wie Popeye vom Spinat, machten wir uns dann endlich auf zum Elephant Trunk Hill; einem Felsen der seinen Namen seiner Ähnlichkeit mit einem Wasser trinkenden Elefanten verdankt.

An unserem zweiten Tag im Süden, stand die Weiterfahrt nach Yangshuo auf dem Plan. Eigentlich hätte dies ausschliesslich per Schifffahrt auf dem Li River geschehen sollen. Aufgrund der trockenen Jahreszeit aber, konnten das Schiff nur eine Teilstrecke befahren. Auf dem Weg zum Hafen mussten wir eine nicht ganz planmässige Rast einlegen. Ein Mitglied unserer Reisegruppe klagte blass über Übelkeit: «Can we please make a Stop?!». Während der arme Kerl sich auf einem Felsen an der frischen Luft zu erholen versuchte, schickte uns Catherine witzigerweise allesamt ebenfalls gleich nach draussen und sagte: «Oh what a nice place to take some pictures!». Am Hafen angekommen, durften wir eine zweistündige Fahrt auf dem Li River geniessen. Neben atemberaubendem Panorama und posierenden Chinesen, galt das Highlight der Vorbeifahrt am Nine Horses Fresco: Einem Kalksteinberg auf dem (anscheinend) neun Pferde ersichtlich sein sollten. Dank bildlicher Erläuterung des Guides und  seeehr viel Fantasie, schaffte es auch ich 2 davon zu sehen…

Mit dem Bus fuhren wir danach weiter nach Yangshuo, einer kleinen Stadt im Bezirk von Guilin. Dort angekommen, brachte und Catherine vor dem Abendessen gleich in die bekannte Foreigner Street. Die eigentlich unter West Street bekannte Strasse ist tagsüber ein kleines Shoppingparadies für Souvenirs und chinesische Handwerkskunst. Abends, mutiert die sonst eher ruhige Shoppingmeile in ein wahres Ausgansviertel. Das konnten wir uns selbstverständlich nicht entgehen lassen! Von dem vom Guide organisierten Abendessen enttäuscht, begaben wir uns zu einem zweiten Znacht und anschliessendem Ausgang an die Foreigner Street. Unseren letzten Tag im Süden nutzten wir noch dazu die Reed Flute Cave zu besuchen, dessen Stalagmiten und Stalaktiten, dessen Formen bei der Betrachtung (mit sehr viel Fantasie) an verschiedene Tiere und Objekte erinnern und deshalb als ein beliebtes Ausflugsziel für chinesische Staatbesuche gilt.

Am Flughafen angekommen, machte sich Freude über die baldige Ankunft in Shanghai breit. Da der Abend neben chinesischem Silvester auch dem Geburtstag eines Gruppenmitglieds gewidmet war, beschloss Sami uns nach dem Abendessen in die bekannte Bar Rouge zu entführen, von dessen Terrasse aus die wunderbare Skyline von Shanghai zu bestaunen war. Leider bedeutet Silvester aber auch, dass nur wenige Restaurants überhaupt geöffnet hatten. Dank tatkräftiger Hilfe eines Angestellten des Hotels, konnte unser Top-Reiseleiter aber auch diese Hürde problemlos meistern. Im authentischsten Chinarestaurant überhaupt, genossen wir unser vorletztes, gemeinsames Abendessen in der Gruppe. Zur Feier des Tages hatten wir uns alle rausgeputzt - so auch Jym. Kaum fertig gelobt, wie gut er doch in seinem grauen Hemd aussieht, beschloss der Kellner – zu seiner Verteidigung nicht ganz freiwillig – ihn und seine Sitznachbarin mit Sauce vollzuschütten. Mit seinem wenigen Englisch versuchte der Kellner seine Entrüstung bildlich zu machen: «Ohh... I’m sorry… so sorry… HAPPY NEW YEAR!». Bei diesem Versuch sich zu entschuldigen, konnten wir ihm einfach nicht böse sein und sind in schallendes Gelächter ausgebrochen. Mit vollen Mägen und neuer Energie machten wir uns auf ein neues chinesisches Neujahr und einen Geburtstag in der Bar Rouge zu feiern. Kurz nach Mitternacht und einem wegen dem Smog ausgebliebenen Feuerwerk, beschlossen wir die Festigkeiten in eine andere Location zu verlegen.

Am Morgen des letzten Tages reichte ein kurzer Blick auf unseren Reiseplan aus um die ersten Gruppenmitglieder mit langen Gesichtern auszustatten. Die Tatsache, dass wir nunmehr am Ende unserer Reise angelangt waren, traf die meisten von uns wie ein Schlag im Gesicht. Traurig bald wieder abreisen zu müssen, beschlossen wir unserem Ärger im Kaufrausch Luft zu machen. So machten wir uns nach einem gemeinsamen Brunch auf die Jagd nach dem einen oder anderen Souvenir und Oberteil, welches wir von Shanghai unbedingt noch mitnehmen wollten. Einige Schlemmermäuler (ich inklusive) gönnten sich in der Gruppe einen Desserttoast zum Zvieri. Viel zu schnell aber war es schon Abend und das letzte Abendmahl stand uns bevor. Nach dem Abendessen, welches traditionsgemäss wieder im Toastrestaurant stattfand, (und ja wir haben Sami am Nachmittag beim Toastessen getroffen 😉) und einem Schlummertrunk im Irish Pub, beschloss ein Teil der Gruppe den Abend und somit die Reise noch etwas in die Länge zu ziehen. Und so begaben wir uns auf eine Erkundungstour durch das Hotel, liessen und in einer unbesetzten Lobby nieder und verbrachten einen Grossteil der Nacht damit witzige und nennenswerte Erlebnisse unseres Lebens zu teilen.

Und dann war er plötzlich da: Der gefürchtete Tag der Abreise. Hustend und schnupfend machten wir uns frühmorgens auf den Weg an den Flughafen. Im Reisecar herrschte eisige Stille. Wehmütig versuchte jeder noch einen letzten Blick auf Shanghai zu werfen und alle witzigen und wunderbaren Momente dieser magischen Reise nochmals Revue passieren zu lassen. Persönlich kann ich sagen, dass sich meine Tränen fast nicht zurückhalten liessen. Denn neben kultureller Bereicherung und vielen tollen Souvenirs, nehme ich vor allem neue Freundschaften mit nach Zürich (Züri *highfive*).  Die vergangenen beiden Wochen haben jegliche Erwartungen, die ich an diese Reise gestellt hatte um das mehrfache übertroffen. Einen speziellen Dank gebührt selbstverständlich unserem Organisationsheld Sami. Nur am Rande hast du uns am Stress und den nervenaufreibenden Organisationsprozess teilhaben lassen. Umso glücklicher sind wir nun, dass wir die Erfahrung der Reise ganz mit dir teilen durften. Wie so einige unsere Reisebuddies möchte auch ich mich hiermit offiziell auf die Warteliste für die nächste Reise, die von dir organisiert wird, setzen lassen. So, nun beende ich meinen sonst schon viel zu langen Bericht unseres vergangenen Abenteuers und hoffe den Lesern einen kleinen Einblick in unsere tolle Reise gegeben zu haben.

Simona

P.S: Dominik vom Wushu Kurs in Baar, der auch in dieser Reise teilgenommen hat, hat auch einen Bericht verfasst!